ANNgelesen: "Nie werde ich dich vergessen"

Nach einiger Zeit melde ich mich mal wieder zurück. Ich habe mir mal überlegt, ob ich meine Blogeinträge in bestimmte Kategorien einordnen sollte. Ich hab noch ein paar Ideen, aber für heute beginne ich mal mit der Einordnung „ANNgelesen“ – ich weiß, total kreativer Name ;). Grund dafür: ich habe noch mindestens ein Dutzend ungelesener Bücher, die sich in meinen kleinen Regalen aneinander kuscheln. Auch, wenn die Uni, Prüfungen, Praktikumssuche und und und viel Zeit in Anspruch nehmen, habe ich mir jetzt bewusst das Ziel gesetzt, möglichst jeden Tag wenigstens ein paar Seiten oder Kapitel zu lesen.

Mir ist wichtig, im Blickwinkel „Was bringt mir das Buch?“ in der Perspektive vom Mehrwert (über der Unterhaltung) auf das Geschriebene zu schauen. Bücher sollten nicht einfach nur gelesen und wieder vergessen werden, weil die Autoren oft mehr reinlegen, als man so nebenbei mitkriegt. Vielleicht ist ja das ein oder andere Buch dabei, das ihr auch mal lesen wollt! 🙂

Ich beginne heute mit dem Buch „Nie werde ich dich vergessen“ von Susan Meissner. Die Autorin lebt in Minnesota und schreibt in diesem Roman über LIEBE. Der Buchtitel lässt schon so einen Hauch von Wehmut und Liebesschwur erahnen. Wenn man die 377 Seiten gelesen hat, wird einem klar, dass es hier nicht um die klassische kitschige Liebe geht. Viel mehr ist das Szenario der Herzen Folgendes: Stolz und Vorurteile (ja! 😉 ) und stereotype Denk- und Lebensformen der Protagonisten engen sie ein. Die Annahme der nach der Anerkennung ihres reichen Vaters strebenden Lauren ist, dass sie alles und jeden einschätzen könnte und selbst so anders sei, als ihr snobistisches Umfeld. Bewusst geht sie auf eine staatliche Hochschule und studiert Englische Literatur, um nicht den Sohn spielen zu müssen, den ihre Eltern nie bekamen.

Um selbst aus dem Kreislauf des hinterhergeworfenen Reichtums zu entkommen, nimmt sie zum Spaß eine Stelle als literarische Assistentin bei einer älteren Frau namens Abigail an. Abigail kommt aus ähnlich wohlhabenden Umständen, lebt aber allein und zurückgezogen. Besuch bekommt sie vorwiegend von ihrer Haushälterin. Doch sie besitzt etwas Besonders. Es ist ein altes Tagebuch einer jungen Frau namens Mercy, die während der Hexenprozesse von Salem festhielt, was in ihr und um sie herum vor sich ging. Mysteriöse Geschehnisse, miese Lügen und haltlose Vorwürfe waren an der Tagesordnung, während Mercy selbst zarte Bande einer Liebe aufbaut. – Zeuge dieser Einträge wird also Lauren, die das Buch, das schon halb verblichen ist, in ein für heutige Leser verständliches Englisch übertragen soll.

Die Geschichte im Buch und die im Leben der Studentin spitzen sich zu. Lauren fiebert mit Mercy und zerbricht sich den Kopf darüber, wie so schlimme Dinge wie Hexenverbennungen durch Mundpropaganda geschehen konnten. Sie setzt sich mit Vorurteilen auseinander. Lernt jemanden kennen. Bemerkt in ihrem Umgang mit ihrem sozialen Umfeld zunehmend, wie sie sich selbst etwas vor macht.

Während der Hexenprozesse mussten die plötzlich kranken, „verhexten“ Mädchen sagen, wer sie verhext hätte. So wurden harmlose und unschuldige Andere damit belegt, den Tod am Strang zu sterben. So erzählt es Mercy in ihrem Tagebuch. Bis eines Tages SIE beschuldigt wird. An eine Flucht ist nicht mehr zu denken. Die Geschichte nimmt ein tragisches Ende, das man so nicht erwartet hätte.

Lauren am wenigsten. Sie ist verstört, als sie von einem Professor hört, was wirklich mit Mercy passiert ist. Aus dem Tagebuch konnte man den Ausgang nicht erkennen, doch andere historische Berichte bestätigten, was der Professor Lauren erzählt: Selbstmord. Die ganze Fassade der mutigen und selbstlosen Mercy, welche sich Lauren aufgebaut hat, bröckelt. Ihr Vorbild, mit dem sie gelitten und mitgefiebert hat, soll sich einfach heraus gestohlen haben?

Es kommt zum Vertrauensbruch mit Abigail. Lauren glaubt, Abigail verschließe sich vor der Wahrheit und habe sie angelogen, als sie sagte, das Tagebuch beinhalte eine tiefe Liebesgeschichte. Selbstmord hat nichts mit Liebe zu tun, es ist feige! So ihre Gedanken.

Nach dem Streit mit Abigail ist diese plötzlich nicht mehr aufzufinden. Das Blatt wendet sich. Lauren wird klar, dass es bei ihrer Vorgesetzten unter der distanzierten Maske heftig brodelt. Schuldgefühle, längst vergangene Tage und Selbstvorwürfe treiben die alte Dame fast in den Tod. Eine alte Liebe, die sie – jung und voller Vorurteile – früher abgelehnt hatte, obwohl sie richtig gewesen wäre. Ein einsames und unglückliches Leben in der Folge, mit dem sie fortan versucht hatte, wieder gut zu machen, was ging.

Hinzu kommt das Bewusstsein, dass die Geschichte des vermachten Tagebuches tatsächlich eine Geschichte voller Liebe war, eine Liebe, die Abigail nicht bereit war, aufzubringen: Mercy bewahrte ihren John Peter durch ihr Vorgehen vor seinem eigenen Tod.

Lauren setzt alles ins Rollen, was ihr in den Sinn kommt. Zusammen mit Rauls Hilfe, einem Freund, den sie selbst auf neue Weise kennen lernte, möchte sie an der alten Liebe retten, was zu retten ist. Vergebung, kein Vergessen wird ausgesprochen. Abigail wird ein Gedicht überbracht, auf dem Sterbebett von der Liebe ihres Lebens an Lauren übergeben.

Freiheit. Das Tagebuch wird veröffentlicht werden. Zuversicht, Hoffnung. Für alle Beteiligten.

In einem Abschlusssatz zusammengefasst, bringt das Buch Folgendes:

Es vermittelt einen Einblick in das Hadern einer Person mit ihrer eigenen Fehlbarkeit und der Vergebung, die ermöglicht, dass aus Fehlern Gutes wird und aus Ablehnung Liebe, die den Anderen ins Zentrum stellt.

Bis zum nächsten Mal ;). La piccola fiore

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2 Kommentare

  1. Ich finds toll, wie du deinen Namen immer unterbringst – ANNgelesen … fast wie ein Corporate Design X)
    Da sieht man mal wieder, dass deutsche Buchtitel und Coverbilder fast nie richtig zum Inhalt passen. Danach beurteilt hätte ich das Buch nie angefasst, nach deiner Zusammenfassung klingt es aber ziemlich gut!
    Allerdings würde ich dir raten, nicht bis zum Ende zu erzählen, dass nimmt die Spannung für die Leute, die du ja zum Lesen inspirieren willst. 🙂
    Vllt. kannst du ja auch Sterne vergeben (lohnt sich natürlich erst bei mehr Rezensionen), die Idee mit dem Abschlusssatz finde ich sehr gut.

    Grüßelchen

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