Augenblick, verweile doch; du bist so schön!

 

Weihnachten geht schon wieder vorbei und damit Feiertage, die für mich meistens total besonders sind (für dich hoffentlich auch – besonders schön!). Meine Familie zu sehen – zusammen – das erlebe ich viel zu selten. Dass wir uns Zeit nehmen, ohne den Konsumrausch und Druck von außen zusammensitzen, quatschen, uns beschenken, essen und genießen, uns gegenseitig mit Gedanken und vorgelebtem Verhalten inspirieren.

Ich sammle diese Momente, Worte und Eindrücke wie kostbare Perlen in meiner Erinnerung. So viele Ereignisse gibt es dort schon. Stell dir eine endlos lange Playlist auf YouTube vor – überall gibt es ein Vorschaubild, eine Grundstimmung, Protagonisten der Szenerie und einen Zeitstempel. In meiner Erinnerung kann ich auf Play drücken und viele Moment noch einmal erleben, zumindest passiv beobachten. Ich merke, wie sich Filter über die Videos legen, die schon länger zurückliegen, andere bekommen Lücken und sind nur lose aneinander gehängte Ausschnitte.

Ich ordne Sequenzen in meine ‚Hall of Fame‘ ein, diverse Tage bekommen im Nachhinein goldene Rahmen. Ich war zum Beispiel mal in einer anderen Stadt auf dem Weihnachtsmarkt und an diesem Abend starb mein Opa in eben dieser Stadt, ohne dass ich etwas davon mitbekam … Im Nachhinein kommt mir das so furchtbar ambivalent vor. Ich habe alte Freunde getroffen und gleichzeitig verabschiedet sich im Pflegeheim eine vergangene Generation. Und nimmt eine wahnsinnig lange Perlenkette an Erinnerungen mit ins Jenseits. In dem Moment für mich lediglich ein schöner Moment, jetzt ein Moment mit Bedeutung.

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Dann gibt es Momente, die mich fast zerreißen, weil ich sie so gern halten möchte. Wenn ich genau weiß, dass ich diese Menschen lange nicht mehr sehen werde, dass andere Erlebnisse diese aktuellen überschreiben werden, dass sich unser Leben so stark ändern wird, dass diese geborgene Routine durchbrochen werden wird und muss. Das sind Erinnerungen, die ich mit bittersüßen Empfindungen verbinde. Jeden Moment wollte ich festhalten, genießen, leben. Aber ich musste ihn loslassen, um den nächsten erleben zu können. Ich habe solche Tage und Nächte in die Länge gezogen, bis doch ein Ende kam.

Wenn man nicht so nostalgisch ist wie ich manchmal, lebt man vielleicht leichter. Ich möchte die Momente oft so gern wertschätzen, ihre Einzigartigkeit feiern. Einzigartig … wahrscheinlich ist diese Eigenschaft der Grund dafür, dass mir die Momente so stark und positiv im Gedächtnis bleiben. Dinge sind begrenzt, Augen öffnen und schließen sich. Eine ganze Welt zu sehen, am Tag, in der Nacht, in Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Und im Traum geht das noch so viel mehr darüber hinaus.

Vielleicht kennst du den ‚Prediger‘ Salomo der Bibel. Er setzte sich schon vor x Jahren mit dem Sinn der Zeit und Lebensphasen auseinander. Keine noch so große Weisheit hat ihm dabei die völlige Zufriedenheit beschert. Momente sind keine Blumen, die ich alle gleichzeitig als Strauß halten kann – es sind zu viele, zu viele Details, zu viele Menschen, Stimmungen. Ich muss sie nacheinander erleben. Ihre Schönheit wahrnehmen, übermäßig dankbar sein, ihren Schenker bewundern und loben und mich auf die zeitlose Schönheit der Ewigkeit freuen – ohne Ende im Licht der Quelle alles Guten, der Zeit, der Schöpfung. Und vielleicht hilft es auch schon heute, selbst für andere solche Perlenmomente schaffen zu wollen und dabei aus dem Fokus zu gehen und nicht alles für sich selbst nehmen und festhalten zu wollen. Das ist dann mal Freigiebigkeit auf eine etwas andere Weise.

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