Zwischen Rosa und BÄM!: Wann ist eine Frau eine Frau?

grünes Frauenporträt

Manchmal sehe ich die entzückenden Wohnungen von Singlemädels – live, bei Shopping Queen oder auf YouTube. Dann denke ich an meine eigene zurück und darüber nach, wie schön, aufwändig und persönlich viele Mädels ihr Reich gestalten. In Jugendjahren fängt es an mit Postern von den Dingen, Tieren, Personen oder Bands, die die Persönlichkeit auszeichnen sollen. Sie sagen oft dezent, aber auch bewusst: „Das bin ich und so will ich wahrgenommen werden.“ Gestaltungsmittel wie Haarefarbe, die Wahl des Schmucks und der Klamotten, das Make-Up und die Wortwahl und Ausdrucksweise flüstern im Subtext oft auch einiges, was so nie wirklich ausgesprochen wird.

Manchmal denke ich seufzend darüber nach, wie es wäre, wenn ich auch wieder völlig allein entscheiden könnte, meine Zimmerwände in einer Mädchenfarbe (oh nein!) zu streichen oder den gesamten Innenraum unseres Kleiderschrankes für mich zu beanspruchen. Ich wünschte manchmal, ich könnte meine Musik, die mein Mann nicht immer gern mithört, laut aufdrehen oder im Fernsehen würde nur das laufen, was ich gerade sehen möchte. Statt Fußball wäre mir manchmal ein gutes Buch lieber. Kreativität, Backen und Quatschen sind mir wichtiger als Zocken.

In solchen Momenten muss ich mich damit in die Realität zurückholen, dass ich einen Mann geheiratet habe, der – nun ja – er selbst ist. Warum will ich ihm das verbieten? Dennoch wird es für eine Frau heutzutage nicht gerade einfacher, die Prämisse der Unterordnung zu lernen. Auch wenn die Bibel das Ideal eines Ehemannes zeichnet, ist keiner so, dass eine Frau auch nach Jahren sagen würde: „So perfekt wie mein Mann ist, ordne ich mich immer gern bedingungslos unter.“ Worum geht es dabei also?

Das Thema ist ziemlich sensibel. Weil viele Frauen schon verletzt wurden, ausgenutzt oder sich untergebuttert gefühlt haben. Oder sie übernehmen die Erfahrungen anderer Frauen in ihre Meinungsbildung. Wir leben in einer Zeit, in der die Frau sich aufgerappelt hat und zu sich und ihrer Existenz steht. Was ich schade an der Umsetzung dieser Attitüde finde, ist, dass sie scheinbar das Gefühl hat, dafür jede Menge Bäm! haben zu müssen. Es gibt aber Frauen, die sind nicht Bäm!, die sind einfach sie selbst. Die sind emotional, nah am Wasser gebaut, die haben ihren zickigen Dickkopf, haben ihre introvertierte Seite. Denen ist gutes Essen, Aussehen und „Dekosch***“ wichtig. Frauen, die heiraten und Kinder kriegen wollen, einen Beruf ausüben, der kreativ oder sozial ist. Sie schauen lieber Gilmore Girls als Fußball, trinken lieber einen Cocktail als Whiskey. Die Bäm!-Frauen gibt es auch, aber warum sollten sich die anderen Frauen verstellen?

Man, it's marvellous!

Ja, ich habe mir schon Gedanken gemacht, weil ich rosa für meine Hochzeitsfarben ausgewählt habe. Es gibt Mädels, die würden darüber verächtlich den Kopf schütteln. Wie kann ich zwei Klischees, Hochzeit und die Farbe rosa, auch noch verbinden? Ich hab mir einen Kopf gemacht, weil mein Verlobungsring, den mein Mann ausgesucht hat, mir mit seinen Steinchen anfangs zu kitschig schien. Ich kann es auf der anderen Seite nicht mit meinem Frauenstolz vereinbaren, wenn beliebte Fernsehsendungen mir ein Frauenbild verkaufen wollen, in dem sich alles um Shoppen, Schminken, Haustiere und Tinder dreht. Nein, über Blingbling und Oberflächlichkeit möchte ich mich genauso wenig definieren, wie über krampfiges Machogetue und Gratis-Extrawürste. Beide Bilder greifen zu kurz, um Weiblichkeit wirklich zu beschreiben und umarmen.

submissionIch glaube, dass Frauen ihre „weibliche“ Seite leben dürfen. Mir geht es nicht nur um die Dinge, die sie mögen oder präferieren, sondern zudem um die Art zu denken und die Gefühle und Prioritäten, nach denen sie ihr Leben ausrichten oder es tief drinnen eigentlich wollen. Je nach Charakter und Glaubensrichtung sehen sich Frauen in der Pflicht, sich in dem Bereich unterbuttern lassen zu müssen, im gleichen Atemzug mit der „Unterordnung“, von der die Bibel spricht. Aber ich glaube, dass sie damit nicht nur sich selbst ihrer Persönlichkeit berauben, sondern auch ihren Mann um sein Gegenüber, das ihn ergänzt und ihm wertvolle Impulse vorlebt, um manche Kanten abzuschmirgeln oder das Herz zu weiten.

Es gibt einen Unterschied zwischen aggressivem Abgrenzen der Weiblichkeit von der Männlichkeit und dem sanften „Hier bin ich, so wie ich bin.“ Ich glaube, dass es einer Beziehung gut tut, wenn die Frau weise entscheiden lernt, wo Unterordnung der Beziehungsatmosphäre gut tut und den Partner in seinen Ansichten wertschätzt und wahrnimmt, wo ihr Wesen und ihr Einfluss gefragt sind, wie sie ohne Konkurrenzgedanken ihren Mann ergänzen kann und wie sie ihren Mann in seiner Andersartigkeit annehmen kann, um sich selbst letztlich annehmen zu können. Warum das miteinander zusammenzuhängen scheint? Ich persönlich fühle mich von meinem Partner immer wieder gespiegelt. Bin ich gereizt und unzufrieden mit mir, bin ich auch unzufrieden mit ihm. Meine Launen können die ganze Stimmung vergiften. Im Gegenteil kann ich aber auch Freude, Optimismus und Tatendrang versprühen, wenn ich mir die Freiheit dafür gebe und mir diese Dinge selbst abkaufe. Wenn ich mich gegen die Impulse des Heiligen Geistes in mir nicht wehre, sondern mit Gott über Mauern und oft auch über meinen Schatten springe, um meinen guten Einfluss nicht unter den Scheffel zu stellen.

Als ich mit meinem Mann diese Woche das Abendmahl genommen habe, ist mir klar geworden, dass wir das gleiche Brot und den gleichen Wein zu uns nehmen. Uns beiden wird Gnade gewährt, wir beide sind vor Gott gleich, in unserer Unterschiedlichkeit. Beziehung ist nicht leicht – besonders die Herausforderung in einer Ehe zusammenzuarbeiten. Aber Wachstum ist so gesund und inzwischen sehe ich die Baustellen unserer Beziehung als Ebnung des Weges, der vor uns liegt. Letztlich wird ein Paar nicht zu einer Einheit, wenn es alle seine Unebenheiten beseitigt, sondern indem beide wie zwei Puzzleteile lernen, dem anderen Platz zu machen und seine „Schlaglöcher“ auszugleichen.

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2 Kommentare

  1. Liebe Anne!
    Oh, hast du das obere Bild gemalt? Total schön!
    Ich hab den Artikel gern gelesen. Danke, dass du andere Paare ermutigst, indem du zu diesen wichtigen Themen schreibst.
    Wir als Frauen haben so einen großen Einfluss und es ist ein riesen Geschenk, so zu sein, wie wir sind. Ich als Typ bin auch sehr gern feminin. Und die Farben auf meiner Hochzeit waren lila, flieder und rosa 😉
    Liebste Grüße
    Lena

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