#bewusst produktiv: Wie gehe ich komplexe Aufgaben an?

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Kannst du ein Instrument spielen? Ich habe vor vielen Jahren Klavierspielen gelernt. Ich war nie sonderlich talentiert, aber meine Eltern haben mich dazu motiviert, es zu versuchen. Woche für Woche wurde geübt, aber ich wurde nicht zur virtuosen Pianistin. So richtig frustriert hat mich das nicht, aber ein bisschen enttäuscht war ich von mir selbst schon: Warum geht mir das Spielen nicht leichter von der Hand?

Am Wochenende habe ich mein Keyboard neu aufgestellt. Ich hatte noch ein paar Notenblätter da und so habe ich angefangen zu spielen. Mit jedem Durchgang wurde ich besser und habe mich von den schönen Melodien tragen lassen. Toll! Aber ich merkte auch, wie sich die Schwierigkeiten neu auftaten, wenn ich versuchte, komplexere und unbekannte Stücke zu spielen. Wenn du Klavier spielst, kennst du das wahrscheinlich – man muss in der Lage sein, die Noten im Violinen- und Bassschlüssel, also für rechte und linke Hand, schnell zu lesen und auf die Klaviatur zu übertragen. Beide Hände gleichzeitig. Die Notenzeilen sehen im Bassschlüssel genau so aus wie im Violinenschlüssel und doch bezeichnen die Notenköpfe auf den jeweiligen Zeilen andere Töne.

Um mir diese eigentlich total „simple Komplexität“ irgendwie einfacher zu machen, habe ich mir schon vor einiger Zeit einen Vereinfachung aufgemalt. Auf einem A4-Blatt habe ich jeweils zwei Oktaven des Violinen- und des Bassschlüssels aufgemalt, wobei sich die Noten farbig abwechseln. Unter die gemalten Noten habe ich die Töne idiotensicher aufgeschrieben. Das Blatt lege ich zur Sicherheit neben meine Notenblätter, wenn ich jetzt neue Stücke übe. Manchmal schreibe ich mir sogar die Notennamen unter die Zeilen der Notenblätter …

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Ehrlich gesagt musste ich bei meiner Beschreibung von eben erst denken: Meine Güte, das klingt, als wäre ich strohdumm! – Aber soll ich dir was sagen? Es ist völlig egal, ob solch eine Hilfe nach außen dumm oder stumpf wirkt, wichtig ist, dass es dem Zweck dient und dem Ziel, das ich erreichen möchte. Wenn ich durch das Üben mit diesem Blatt die Notennamen schneller zuordnen lerne, ist das ein großer Gewinn und ich kann irgendwann ohne diese „Krücke“ Klavier spielen. Ich muss keinen Experten in einem Gebiet vorspielen, in dem ich es nicht bin.

Ein anderes Beispiel ist das Statistikprogramm, das ich für meine Abschlussarbeit verwende. Ich empfand schon in der Schule eine Hassliebe zum Fach Mathe – es gab eine Reihe an Tests, die ich mit 15 Punkten absolvierte, weil ich das Schema der Aufgaben im Kopf verankert hatte. Andere Male wurde der Schnitt deutlich nach unten gezogen. Für mein Abi habe ich mir gängige Aufgabenschemata eingeprägt und sie auf die Aufgabenstellungen erfolgreich angewandt … puh. Bei meinem Statistikprogramm geht es mir ähnlich. Ich habe dort wahnsinnig viele Möglichkeiten der Studienanalyse, aber muss auch jede Menge winzige Faktoren beachten, um auch das zu erreichen, was ich beabsichtige.

Ähnlich wie beim Klavierspielen, nur etwas umfangreicher, erstelle ich mir hierfür einen sehr detaillierten Fahrplan:

  • Ich nehme mir genug Zeit und erledige Aufgaben mit dem Programm nicht mal zwischendurch.
  • In Büchern und Internetforen, ja, sogar Wikipedia, suche ich nach Antworten für meine Aufgabenstellungen.
  • Ich schreibe mir auf:

– welche Aufgabe ich erledigen möchte

– welche Schaltflächen ich dafür anwählen muss

– welche Detailfaktoren ich beachten muss

– wie ich das Ergebnis interpretieren kann

– wie ich das Ergebnis formulieren und formatieren muss.

Natürlich gebe ich die Analyse so nicht ab. Ich nutze diese Dokumentation während der Rohfassung und kann so auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehen, wie ich zum Ergebnis kam. Mit der Übung werden mir die Schritte geläufig, Erfolge motivieren und ich spare mir die Zeit, die ich mit ziellosem Herumprobieren verschwenden würde. Denn im Gegensatz zu Expertengebieten, die mich sehr interessieren und wo ich auch gerne herumexperimentiere, ist das ein Bereich, den ich nach der Fertigstellung nicht weiter vertiefen möchte.

Mein Fazit:

  • Im privaten Bereich gibt es Aufgaben, die nicht jedem leicht von der Hand gehen. Sich zu helfen wissen, ist dabei nicht dümmlich, sondern hilfreich. Typisches Beispiel ist ein Mann, der darauf besteht eine Geräte-Anleitung nicht lesen zu müssen und auf diese Weise viel mehr Zeit benötigt.
  • Im Studium oder auf der Arbeit können uns auch Aufgaben begegnen, die uns weniger liegen. In diesem Fall nicht verzweifeln, sondern systematisch durcharbeiten und dokumentieren. Die Aufgaben so anzugehen ist besser als einfach das Handtuch zu schmeißen. 🙂

Gibt es Bereiche, in denen du dich als „schwarzes Schaf“ fühlst? Wie gehst du damit um, versuchst du dir Aufgaben zu erleichtern? Ich freue mich über Austausch in den Kommentaren! 🙂

PS: Kennt jemand noch die Holzweissig-Klavierschule? 😉 Kann ich Anfängern sehr empfehlen.

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