#bewusst produktiv: Vom Hamsterrad zur Achtsamkeit

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Es gibt diese Dinge, die erlebt man nur im Moment so richtig gut. Ich kann mir Videos oder Fotos von vergangenen Ereignissen ansehen, fühle aber nicht das selbe wie damals. Ob es ein Bild vom Essen ist oder von einem Freund – was bringt das Bild, wenn das Essen nicht beachtet wurde oder das Gespräch mit dem Freund in dem Moment nicht wirklich anlief? Ich weiß, dass ich so viele Momente nicht wiederholen oder verändern kann und dass sie auch gar nicht dazu geschaffen wurden. Sie existierten, um in dem Moment erlebt und gelebt zu werden.

Eigentlich war mir diese Achtsamkeit in der Theorie klar. Es gibt dazu genug Inhalte. Aber die Sonne und der Feiertag haben mich gefühlt in die Knie gezwungen, um mir zu sagen: Bis hierhin und nicht weiter! Meine innere Verfassung war geprägt von einem Hin und Her zwischen Aufgaben, die ich mir selber angelacht hatte und die sich kaum dezimieren wollten, obwohl ich ihnen hinterher gerannt bin.

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Als ich an meinen emotionalen Ausbrüchen meinen Bedarf für eine Pause bemerkte, ließ ich erst einmal allen Frust heraus. Bis ich mit leerem Kopf dalag, mich nicht mit neuem Input füllte und mir ein Gedanke kam, der mir Hoffnung gab: Du kannst aus dem Hamsterrad aussteigen und die Welt wird sich trotzdem weiterdrehen. Nur das Rad steht still und du findest dich am richtigen Platz wieder und entwickelst eine gesunde Einstellung zum Leben.

Langsam riss der Wolkenschleier meiner depressiven Gedanken auf. Und was besonders entscheidend war: Ich suchte den Auslöser für meinen Ärger und meine Enttäuschung nicht mehr bei anderen (mein Mann war sowieso schon geflüchtet), sondern begann einzusehen, dass ich mir selbst etwas vorgemacht hatte.

Ja, obwohl ich schon sehr oft davon gehört und darüber geschrieben und geredet habe, dass das Leben eines Menschen seinen Wert allein dem Urteil des liebenden Gottes verdankt, habe ich praktisch häufig so gelebt, als würde das Wohlergehen der Welt von meiner erledigten To-Do-Liste abhängen. Oder zumindest, als würde ich meinem Wertkonto mit dem, was ich am Ende des Tages vorweisen kann, jeden Tag auf’s Neue in die schwarzen Zahlen verhelfen.

Dass man sich selbst belügen kann, ohne es bewusst zu steuern, habe ich neulich außerdem auch sehr aktiv erlebt. Ich war nach einem Abend unterwegs zu Hause angekommen davon überzeugt, meinen Schlüssel verloren zu haben. Nirgendwo war er zu finden und mein Mann, schon leicht entnervt, gab schließlich nach, sodass wir den Weg zurückfuhren. Wir fanden nichts. Und noch während mein Schatz suchte, fuhr ich mir über meine Hosentasche, um festzustellen, dass der Huckel, den ich als Taschentuch vermutet hatte, mein Schlüssel war. Peinlich berührt teilte ich meinem Mann mit, dass wir wohl wieder gehen könnten, da der Schlüssel hier offensichtlich nicht zu finden war. Nur um kurz darauf kleinlaut auf mein Versehen hinzuweisen.

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So ähnlich wie in dieser Situation habe ich mich also gefühlt, als ich realisierte, dass ich „Leben“ mit meinem praktischen Alltag selten so interpretiert habe, wie Jesus es beschreibt. Um mich dem wieder mehr anzunähern, lege ich jetzt mehr Pausen ein, tanke mehr Sonne, versuche die Zeit mit anderen Menschen bewusst im Moment zu erleben. Manchmal ist das leichter gesagt als getan, wenn man in Gedanken dem Gespräch schon einige Ecken voraus ist. Das fällt mir inzwischen aber leichter. Ein Grund dafür ist sicher der „Umkehr-Schluss“ in meinem Denken und die Übung in den alltäglichen Momenten. Im Endeffekt geht es dabei darum, die Momente und Menschen wirklich zu schätzen – ja, auch Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer auszudrücken und sich gleichzeitig bewusst zu sein, dass wir Momente auf dieser Welt nicht festhalten können.

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Vor einigen Jahren fand ich diesen Spruch ziemlich treffend und ich grabe ihn heute wieder aus:

„Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige; immer ist der wichtigste Mensch, der dir gerade gegenübersteht; immer ist die wichtigste Tat die Liebe.“ – Meister Eckhart

„Wie damals, als du das Volk von den Midianitern befreit hast, zerbrichst du das Joch der Fremdherrschaft, das auf ihnen lastet, und den Stock, mit dem sie zur Zwangsarbeit angetrieben werden.“ (Jesaja 9,3)

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Alles hat seine Zeit.

  • Erdbeereis von Veronikas Blog selbst herstellen (♥♥♥)
  • Quarkbrötchen backen
  • telefonieren ohne nebenher etwas zu erledigen
  • spontan grillen
  • Feilschen auf dem Flohmarkt
  • Picknick im Wald
  • Fotos der letzten Jahre ansehen und sich erinnern
  • mit dem Partner reden statt aneinander vorbei zu hetzen
  • Aufgaben bewusst angehen und beenden
  • den Arbeitsplatz wechseln
  • Schokolade bewusst und in Maßen essen

Diese Dinge bewusst zu erleben, ist so wertvoll! Und die Dankbarkeit steigt mit dem Aufschreiben dieser Geschenke, für mich auch mit dem Fotografieren von Kleinigkeiten.

Ich wünsche euch viele bewusste Momente in dieser Woche und dem kommenden Pfingstwochenende!

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