ANNgetippt: How to Abschlussarbeit!

Wie schreibe ich eine Abschlussarbeit, die inhaltlich und sprachlich gut ist und für die ich gleichzeitig über eine längere Zeit motiviert bleibe?

Den Antworten auf diese Fragen nähern wir uns heute mal in einem ausführlichen Post!

Ich bin zwar kein Experte, was wissenschaftliches Schreiben betrifft, aber ich habe vor wenigen Jahren erfolgreich meine Bachelorarbeit geschrieben und befinde mich momentan auf den letzten Metern meiner Masterarbeit. Und da ich diese Woche dazu auserkoren habe, richtig reinzuhauen und das Schätzchen am Wochenende bestenfalls in der ersten Version fertig zu haben … dachte ich mir, es ist Zeit, dir ein paar Tipps an die Hand zu geben. 🙂

(Ich muss dazu sagen, dass einige Aspekte wahrscheinlich nur auf die Geisteswissenschaften zutreffen.)

am Ball bleiben Abschlussarbeit

1. Das große M! – Motivation

Tja, Motivation ist so ein Schlagwort. Ich bin der Meinung, sie ist ein Rudeltier, deshalb geht sie immer Hand in Hand mit Selbstdisziplin und Liebe zu dem, was man tut.

Natürlich ist die größte Motivation im Fall einer Abschlussarbeit, dass man einen gewissen beruflichen Abschluss erlangt, mit dem man dann arbeiten kann. Aber sind wir mal ehrlich, viele Jobs kann man auch schon während seines Studiums ausüben – zwar nicht perfekt, aber durch viel learning by doing. So geht es zumindest mir, ich versuche, bekomme Kritik und lerne. Die Abschlussarbeit unterscheidet sich nun von den meisten Berufstätigkeiten, die man mit seinem Abschluss letztendlich anstrebt – sie ist eben ein wissenschaftliches Schreiben, mit allem drum und dran. Wenn wir verstehen, dass es diese Arbeit nun mal braucht, damit wir diesen Berg an Seminaren, Vorlesungen, Vorträgen, Gruppenprojekten und Hausarbeiten zu einer runden Sache abschließen, können wir damit auch innerlich Frieden schließen.

Es ist definitiv nicht immer einfach, den Arbeitsaufwand zu überblicken, zu strukturieren und anzugehen. Einige Schritte sind mühsam und zeigen nur winzige offensichtliche Erfolge. Aber es lohnt sich!

Klebezettel Abschlussarbeit

2. Wie lange soll das noch gehen? – Zeitplan

Eng mit der Motivation hängt auch die Zeitplanung zusammen. Meine Bachelorarbeit habe ich in einem warmen Sommer durchgeschrieben, nach drei Monaten war sie im Kasten.

Der Zeitplan ist etwas sehr Persönliches, lass dich dabei nicht von Kommilitonen o.a. unter Druck setzen. Wenn es dir überhaupt nicht liegt, viel und schnell zu schreiben, Methoden auszutüfteln etc., dann nimm dir die Zeit, die du brauchst!

Und das ist nicht der einzige Grund. In meinem Fall hat mich die Planung meiner Hochzeit, liegengebliebene Hausarbeiten, Umzug etc. davon abgehalten, mich intensiv mit der Planung meiner Arbeit zu befassen. Darum ist es auch inzwischen der zweite Sommer, den ich mit diesem Baby schwanger bin. Auch hier kommt es sehr auf den persönlichen Umgang an. Wenn du gut dazu in der Lage bist, viele Projekte parallel gut zu bearbeiten, bekommst du das sicher gut hin und musst dir keine Extrasemester nehmen. Mir war es aber auch wichtig, mich in der zusätzlichen Zeit noch einmal zu orientieren, wie es danach weitergehen kann. Irgendwie ist das ja wieder eine Situation wie nach dem Abi – man trägt jetzt eine gewisse Kompetenz mit sich herum, aber die Türen muss man selbst aufmachen. Bloß welche?

Fakt ist neben der Orientierung aber auch, dass du diese Extrasemester irgendwie finanzieren musst, wenn du nicht gerade bei deinen Eltern unterkommst. Ein Nebenjob muss meistens her und der frisst natürlich zusätzliche Zeit. Und leider sinkt die Motivation für so eine Langzeitaufgabe meistens über einen langen Zeitraum.

Stehst du vor der Entscheidung, zieh also am besten deine Persönlichkeit, deine Orientierung nach dem Studium und deine wirtschaftliche Situation zu Rate.

3. Worüber kann ich so viel schreiben? – THEMENFINDUNG

Ein Thema findet sich zum Beispiel, wenn du mit offenen Augen durch die vorangehenden Semester gehst. Manchmal werden in Vorträgen oder Vorlesungen Themen angeschnitten, für die der Rahmen nicht ausreicht, um richtig einzutauchen. Hin und wieder erwähnen die Profs auch direkt Themenfelder, die bisher wenig erforscht wurden. Ist das der Fall und du interessierst dich dafür, sprich doch mit dem Dozenten mal darüber.

Interessante Themen findest du ansonsten auch in der Fachliteratur, in Alltagsfragen, in Weltproblemen. Natürlich ist das studiengangsabhängig, aber in vielen geisteswissenschaftlichen Fächern hilft es, aufmerksam durch die Welt zu gehen. Wissenschaftlicher ist es, wenn du Studien zu bestimmten Themen wälzt und dort auf offene Fragestellungen triffst.

Drei Aspekte sind bei der Themenwahl zudem relevant:

  • Das Thema muss ergiebig genug sein, damit du in dem gewünschten Umfang darüber schreiben kannst.

  • Das Thema sollte dich in deinem Lebensziel unterstützen. D.h. eine Arbeit über die Wirkung unterschiedlicher Energy Drinks zu verfassen, interessiert dich vielleicht im Moment wahnsinnig, weil es dich am Leben erhält. Aber … so ganz unterstützt es dich nicht in deiner Mission, gesunde Lebensmittel zu entwickeln.

  • Du solltest einen Dozenten finden, der dich in dem Thema unterstützt, der Wissen und Kompetenz in diesem Bereich besitzt, um dich zu korrigieren und deine Leistung anzuerkennen.

4. Fragebogen, Experiment, Versuchsreihen – METHODE

Dieser Post ist sowieso schon staubtrocken, deshalb versuche ich mich in diesem Punkt möglichst kurz zu halten. 😉

Welche Methode du wählst, entscheidet darüber, wie leicht dir die Arbeit von der Hand geht. Hast du Erfahrungen mit Fragebogenerstellung gemacht, steht dir genügend Zeit zur Verfügung, um Experimente durchzuführen, bist du gewissenhaft genug für eine Inhaltsanalyse, kennst du dich mit den nötigen Analyseprogrammen aus?

Das sind wichtige Fragen, die du dir vorher stellen solltest. Hand in Hand gehen sie damit, ob du bestimmte Erfahrungen während der Arbeit erst sammeln möchtest und inwieweit du Hilfe dafür findest, wenn es mal nicht vorangeht. Außerdem gibt es natürlich Themen und Fragestellungen, die unbedingt an bestimmte Methoden gekoppelt sind. Wenn dich also ein Thema fasziniert, solltest du die dazugehörige Methode, so gut es geht, verstehen und (übertrieben gesagt) lieben lernen. Sie wird die Grundlage für die Ergebnisse, die du der Forschung lieferst, deshalb kämpf dich durch die Wirren der Probanden, die ihren Termin vergessen, der schwer verständlichen Interview-O-Töne und der zur Weißglut treibenden Programmhürden.

Mein Tipp: Lass dir von deinem Betreuer ein, zwei gute Methodikbücher empfehlen, such dir auf Facebook entsprechende Jeder-hilft-jedem-Gruppen, lies dir die Methodik von Studien durch und sieh dir, wenn nötig, Tutorials auf YouTube an.

5. Alles auf den Punkt – EXPOSÉ

Ich bin mir nicht sicher, ob das an jeder Uni so gehandhabt wird, aber selbst, wenn nicht – es ist eine hilfreiche Methode, sich selbst einen Fahrplan anzulegen. Am Anfang stehst du vor einem großen Wust an Informationen. In meinen ersten Semestern habe ich mich noch gefragt, wozu ich ein Exposé für Hausarbeiten schreiben soll, wenn ich noch nicht einmal begonnen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Das ist auch nicht der Sinn der Sache – um eine Struktur aufzubauen, brauchst du ein Grundlagenwissen, musst du deine Unibibo und das Internet (elektronische Datenbanken, Google Books, Google Scholar) abgrasen. Aber wenn das geschafft ist, kommst du viel einfacher voran, weil du Punkt für Punkt bearbeiten kannst.

Mir hat es dabei geholfen, die Arbeit grundsätzlich in zwei Teile zu teilen. Die erste Hälfte ist die Theoriegrundlage, die zweite die Praxis. Der Theorieteil gliedert sich in Einleitung und grundlegende Hintergründe der Forschungsfrage. Was hängt mit dem Thema zusammen? Was muss definiert werden? Wo gibt es einen State of Art, auf den ich aufbaue?

Im Praxisteil folgt dann die Forschungsfrage, die Problematik, die Beschreibung und Begründung der Methode, die Beschreibung der Durchführung und Stichprobe etc. und schließlich die Interpretation der aufgezeigten Ergebnisse und eine Aussicht auf weitere Forschung.

Nicht zu vergessen die Eidesstattliche Erklärung, das Literaturverzeichnis und der Anhang.

Neben der Gliederung, die ich damit umrissen habe, kann ein Exposé die Relevanz des Themas begründen, wichtige Theorien aufzählen, die angedachte Methodik begründen, eine Literaturliste und den persönlichen Zeitplan enthalten.

Bücher Abschlussarbeit

6. Wie kann man nur so viel lesen? – RECHERCHE

Jetzt kommt der Teil, der mir am wenigsten Spaß gemacht hat. Vielleicht geht es dir auch so – das Internet kann echt ablenken. Mehrere Stunden am Stück zu lesen, puh, nicht so einfach. Nachdem ich für mich festgestellt hatte, dass es nicht gut läuft, habe ich meine Strategie geändert:

  • Ich habe mir eine Liste der Bücher erstellt, die ich lesen muss.

  • Ich bin diese Bücher im Inhaltsverzeichnis durchgegangen, habe Stellen überflogen und mir dann mit Klebezetteln markiert, was sich wahrscheinlich zu lesen lohnt. (Mit dem Ziel, nicht die gesamten Bücher zu lesen!)

  • Diese Seitenbündel habe ich mir unter die Buchtitel aufgeschrieben, immer mit einem Kästchen zum Abhaken versehen.

  • Die nächsten Wochen habe ich mir dann, je nach Zeit, einen Abschnitt ausgesucht, der mir vom Umfang her gepasst hat.

  • Ich habe die Abschnitte aber nicht nur gelesen, sondern mir dabei mit Hand Notizen gemacht, indirekte und direkte Zitate, alles mit Seitenangaben und Informationen zum Buch.

  • Ergeben hat das eine ziemlich dicke Zitatesammlung. Natürlich ist das für einige doppelte Arbeit – aber vielleicht auch was für dich: Ich habe mir nämlich dann noch einmal die Zeit genommen und alle Zitate am Computer abgetippt. Nach dieser Übung wusste ich ziemlich gut, was wo steht und hatte die Notizen so auch gut geordnet und lesbar parat.

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7. Wie fang ich am besten mit dem Schreiben an? – TEXTSKIZZE

Die Angst vor dem weißen Blatt kennen nicht nur Autoren, sondern mit Sicherheit tausende Studenten mehrmals im Jahr. Ich bin dem dieses Mal recht pragmatisch begegnet. Nachdem ich meine Kapitelüberschriften als Gliederung aufgestellt hatte, habe ich sie mit Stichpunkten versehen. Da ich die Inhalte anhand der Zitatesammlung in etwa kannte, konnte ich so verschiedene Autoren und Theorien zusammensetzen. Das Notizen-pdf habe ich nebenher geöffnet und daraus das zusammengesucht, was ich brauchte.

Das Schreiben habe ich dann einfach begonnen – ein Themenpunkt pro Tag. Ins Unreine zu schreiben ist oft besser als zu warten, bis dir die perfekten Worte einfallen. In der Zeit hast du eine Theorie beschrieben, die du später sprachlich ausfeilen kannst. Über Plagiate muss ich wahrscheinlich nichts schreiben, dass du nicht nur Zitat an Zitat reihen kannst, ist klar. 🙂 Bring immer wieder die Theorie in Bezug zu dem Fragment, das du untersuchst und zeige Verbindungen zwischen Hypothesen und Theorien auf.

Quellenangaben zu den Zitaten gebe ich erst grob an und formatiere sie im letzten Schritt, s. nächster Abschnitt.

8. Schön machen – LAYOUT UND CO

Das war es bis jetzt im Schnelldurchlauf. (Ich weiß schon, das war ein mega Textblock bisher, aber die Arbeit ist ja auch umfangreich. 😉 )

Nach dem Finetuning der Texte fehlt im Großen und Ganzen nur noch der Feinschliff am Layout. Dabei suchst du am besten strukturiert alle Angaben zu deinen Quellen heraus und formatierst diese einmal für den Anhang (alphabetisch und evtl. nach Art der Quelle sortiert) und für die Zitate im Text nach den Vorgaben, die dein Studiengang erfordert.

Richte das gängige Seitenlayout ein, das beinhaltet die Abstände an den Rändern, die Seitenzahlen (eine Krux, wenn man erst kurz vor Abgabe sucht, wie man Seitenzahl 2 auf die Einleitungsseite bekommt und das Inhaltsverzeichnis zahlenlos bleibt), den Anhang, das Inhaltsverzeichnis und das Deckblatt. Auch die Formatierung von Fußzeilen, eingerückten Zitaten, Bildern, den Bildunterschriften und Tabellen sollte noch einmal überprüft werden.

Bevor das Baby in den Druck gehen kann, sollten bestenfalls ein paar schreibfeste Freunde oder Verwandte ein, zwei Blicke in die Arbeit werfen. Klar ist es doof, wenn man eigentlich dachte, fertig zu sein und dann kommt noch einmal Kritik. Aber hilfreich war sie für mich immer wieder.

Alle Dokumente zur Arbeit parat? Die Arbeit ist bei der Uni angemeldet? Dann ab zur Druckerei, die Arbeit am besten auf dem Stick und online dabei, als pdf richtig formatiert und es kann gedruckt werden. Wie sie gebunden sein soll, kannst du dir meist selbst aussuchen. Und natürlich ist es schön, selbst ein Exemplar zu besitzen. Wenn du dir das leisten kannst (es braucht allein mehrere Druckexemplare für die Uni), lohnt sich das.

Kaffeepause Abschlussarbeit

Zum Schluss hoffe ich natürlich, dass dich diese vielen Informationen nicht erschlagen haben und dass der ein oder andere Tipp dabei war, der dir bei deiner Arbeit hilft!

Hast du diesen Berg überwunden, kannst du das auch feiern! Es ist für viele Absolventen deprimierend, wenn auch nach Monaten noch kein Job in Aussicht ist, aber das sollte die Leistung des beendeten Studiums nicht herunterspielen. Du hast viel Zeit, Nerven und Aufwand hineingesteckt!

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und Segen für jeden einzelnen Schritt! 🙂

Klecks Anne

PS: Luise vom Blog luiseliebt hat vor Kurzem einen hilfreichen Post mit ihren Tipps zur Bachelorarbeit veröffentlicht, der sich mit den weniger trockenen Seiten der Abschlussarbeit beschäftigt. Schaut doch mal vorbei.

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4 Kommentare

  1. Wow, das ausführlich und genau was für mich!
    „Bleib am Ball“ist wohl die wichtigste Devise. Ich bleib gerade täglich am Ball, nur rollt er momentan so langsam. Zu langsam für mein Geschmack.
    Schön, dass du schon so weit bist. Hast du einen festen Abgabetermin?

    Gefällt mir

    • Das freut mich! Nargh… ich kenn das so gut mit dem langsamen Rollen. Ich bin so froh, wenn ich mal einen ganzen Tag am Stück durcharbeiten kann, weil ich dann richtig eintauche und am Ende wirklich Erfolge sehe. Ich wünsch dir weiter gutes Vorankommen! (Aber mit Kindern etc. ist das auch ganz normal, dass es länger dauert, nimm das auch nicht für selbstverständlich 🙂 )
      Nee, ich hab eigentlich noch ein paar Monate Zeit, aber mit meiner Betreuerin hab ich Ende Juni/Anfang Juli ausgemacht und da möchte ich mich gern dran halten. :o)

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