Den Dreck sieht jeder, finde das Gold!

Während der Weihnachtsfeiertage entdeckte ich in meinem Instagramfeed den folgenden Spruch:

Anyone can find the dirt in someone. Be the one who finds the gold.“ Proverbs 11,27

Das ist mal ein guter Leitsatz, dachte ich mir, und hatte bis dahin auch noch gar nicht bemerkt, dass das die Interpretation eines Bibelverses war. Das Original lautet eigentlich wie folgt: „Wer da Gutes sucht, trachtet nach Wohlgefallen; wer aber das Böse sucht, dem wird’s begegnen.“ (Luther 2017)

Der Twist, dieses Prinzip auf Menschen zu übertragen, wäre mir gar nicht so schnell eingefallen. Wie der Vers hier angewendet wird, ist aber sehr anschaulich und hilfreich. Er bezieht sich auf etwas Konkretes, etwas, dem wir im Alltag häufig begegnen können – Menschen. Und er beinhaltet einen Ratschlag, eine Aufforderung anders zu handeln als gewohnt. Über den Standard hinaus zu leben – loben statt meckern.

Perfekt vs. messy

Ich arbeite in einem Beruf, in dem es gut ist, wenn einem Unstimmigkeiten und Fehler auffallen, d.h. zum Beispiel beim Zeichnen eines Porträts oder der Korrektur eines Textes (grammar nazi, ahoi). ABER wenn ich auch im Alltag zu sehr von einem Ideal ausgehe, das nur in meinem Kopf existiert, dann fallen mir die Makel auf, über die andere vielleicht hinwegsehen würden.

Ein bisschen habe ich jetzt das Gefühl, dass ich mich verteidigen muss – nein, ich bin eigentlich kein Perfektionist, aber ich konzentriere mich manchmal zu sehr auf das, was optimiert werden könnte …

Leben ist aber viel rougher, viel weniger ideal und in dieser Messyness von Menschen und Lebenssituationen, in die sogar Gott selbst als Mensch, als Baby (mit vollen Windeln und so) hineinkam, … fällt eigentlich das Gute auf, wenn wir danach suchen (würden). Weil der Grundzustand eigentlich nicht so rosig ist. Und ziemlich turbulent.

Das Gold im heute, das Gold im anderen

Es geht mir gegen den Strich, auszuhalten und mich darüber zu freuen, wenn mein Mann ganz anders entscheidet als ich es tun würde oder wenn seine Charakterzüge mit meinen kollidieren. Aber warum nicht mal gegen den Strich bürsten? Demütig sein, sehen, was gut ist, was anders ist, was „Gold“ ist. Den Schmutz, das Negative, zu Bemängelnde zu bemerken und anzukreiden, ist nicht schwer. Dit kann jeder. 😉

Zur Folge hat die Suche nach dem Guten, dass sich der lang antrainierte und vielleicht von anderen Personen vorgelebte kritische Blick langsam in eine liebevoll, positive Sicht verwandelt. Und ich sehe mit Vergrößerung meinen eigenen Dreck, mein Gold. Die Angst, dass die Unvollkommenheit der Welt überhand nimmt, weicht der Erkenntnis des Guten.

Welche Situationen oder Menschen fordern dich besonders heraus, wenn es um die Suche nach dem Guten geht? Wie siehst du dein Leben – eher positiv oder negativ?

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